Silvester in Kopenhagen

Ich bin der größte Schisser überhaupt, wenn es darum geht Feuerwerk zu zünden und anzuschauen. Ich habe quasi durchgehend Angst und schaue mich wie eine Verrückte ständig zu allen Seiten um und versichere mich, dass keine Gefahr droht. Manchmal schaue ich sogar kleine Kinder mit Knallerbsen argwöhnisch an und male mir aus, dass sie mir in ihrem Eifer so ein Ding ins Auge werfen. Wahnsinnig wahrscheinlich, ich weiß. Aber bei Feuerwerk setzt mein logischer Verstand einfach aus. Da laufe ich dann auch immer gefühlte drei Kilometer weit weg, wenn ich mich doch mal traue eine Rakete anzuzünden. Und was ich dann noch nicht ausstehen kann sind Menschenmassen. Mag ich nicht, mochte ich noch nie. Ständige Panik beklaut zu werden mischt sich mit einem unerträglichen Gefühl der Enge. Ich kann nicht mal genauer sagen, was mich stört. Ich mag einfach keine großen Gruppen an Menschen. Punkt.

Jetzt könnt ihr euch also vorstellen, wie weit oben Silvester in meiner Hitliste der Feiertage liegt. Ja, richtig, ganz kurz vor den Feiertagen, die nur katholische Bundesländer haben und die mir deshalb verwehrt bleiben. So gerne.

Mal von den oberen Dingen abgesehen, ist Silvester glaube ich aber eh der erzwungenste Feiertag, den man sich vorstellen kann. Da ist dieser eine Tag im Jahr, immer zur selben Zeit, der muss gefeiert werden, als gäbe es keinen Morgen mehr. Und wir wissen alle wie gut erzwungen tolle Partys sind. Nichtsdestotrotz will Silvester ja irgendwie verbracht werden. Und weil ich mal weg von dem klassischen Silvester der letzten Jahre wollte, haben wir etwas neues ausprobiert. Den Start des neuen Jahres in einer fremden Stadt beginnen, genauer gesagt in Kopenhagen.

Silvester in Kopenhagen Wunderlieblich Silvester in Kopenhagen Wunderlieblich

Schönes, kleines Kopenhagen

Vor etwas mehr als drei Jahren war ich zuletzt mit Freunden in Kopenhagen, damals im Mai, also bei warmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein. Ich war dieses mal erstaunt wieviel ich von der Stadt und ihren Orten noch im Kopf hatte. Mit einer Offline-Map von Google und meinen Erinnerungen vom letzten Kurztrip habe ich uns das lange Wochenende über ganz gut durch die Stadt lotsen können, vorbei an all den schönen Plätzen, Schlössern und Shoppingmöglichkeiten. Zum Glück ist Kopenhagen eine sehr kleine Hauptstadt, wodurch man vieles bequem zu Fuß erreichen kann.

Wir haben im „Copenhagen Strand“ übernachtet. Teilweise ein bisschen zu schäbig für das Geld, aber dafür war die Lage perfekt und das Frühstück ist auch empfehlenswert, wenn man bereit ist ca. 17 Euro pro Person zu bezahlen. Und wer hier schon schockiert ist, der darf nichts zu essen und zu trinken kaufen in Dänemark, geschweige denn Essen gehen. Die Durchschnittsessen im Restaurant gehen nämlich bei 20 Euro los und wir reden hier von Dingen, wie einer Pizza Margherita, nicht von einem Steak.

Essen und Trinken

Wer nach Kopenhagen reist, braucht also ein bisschen mehr Geld für die Verpflegung. Gerade Alkohol ist teils absurd teuer und wer die Möglichkeit und Lust hat mit Zug oder Auto anzureisen, so wie wir, kann sich zumindest ein bisschen mit Essen und Trinken eindecken. Nichtsdestotrotz sind wir gut und lecker essen gegangen und weil unser Frühstück jedes Mal sehr üppig ausfiel, brauchten wir nur noch irgendwann am Abend wieder etwas zu essen. Gemütlich und wahnsinnig preiswert war da z.B. das „Café Palermo“. Pizza gibt es hier schon für unter 10 Euro und der hauseigene Eistee ist sehr zu empfehlen.

Ansonsten lautet die Devise einfach mal abseits der Hauptstraßen verlaufen und sich umschauen. Dabei haben wir auch das wahnsinnig schöne „Paludan Bogcafé“, ein Café inmitten eines alten, traditionellen Bücherladens gefunden. Leider war es am Neujahrstag nicht geöffnet und wir konnten es nicht testen. Aber was man von außen gesehen hat war sehr vielversprechend. Achja, und stattet der „Torvehallerne“ einen Besuch ab, schöne kleinen Läden und Cafés in zwei geschlossenen Markthallen. Lohnt sich!

Silvester in Kopenhagen Wunderlieblich

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Sehenswürdigkeiten

Ich möchte auch an dieser Stelle einmal erwähnen: Geht bitte nicht zur „Kleinen Meerjungfrau“! Wirklich, lasst es. Sie ist unspektakulär, von Touristen überrannt und ganz am Rand der Stadt. Definitiv nichts was man unbedingt gesehen haben muss. Schaut euch lieber den schönen Nyhavn an oder Schloss Christiansborg. Es lohnt sich überhaupt einfach durch die Stadt und am Hafen entlang zu bummeln. Wer lauffaul ist, kann auch eine kleine Bootstour machen oder ein Ticket für die roten Doppeldeckerbusse kaufen. Das Ticket hält zwei Tage und man kann so oft fahren und aussteigen wo man möchte.

Unbedingt ans Herz legen will ich euch auch den Freizeitpark „Tivoli“. Dieser hat leider im Winter nur zur Vorweihnachtszeit auf, ist aber bei gutem Wetter eh viel spaßiger. Der Park ist mitten in der Stadt neben dem Hauptbahnhof gelegen und so herrlich nostalgisch und platztechnisch gut durchdacht, dass man in jedem Fall einen guten halben Tag darin verbringen kann. An Wochenenden gibt es abends zudem ein sehr schönes, mit Musik untermaltes Feuerwerk und man hat sogar die Möglichkeit Silvester im Park zu feiern.

Silvester in Kopenhagen Wunderlieblich

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Der Tag an Silvester

Wir haben Silvester mit einem ausgiebigen Bummel durch Stadt verbracht. Haben reichlich gebruncht und den Abend dann mit Spielen, Wein und Rum-Cola in einem der Hotelzimmer verbracht. Wir waren zu viert und hatten jede Menge Spaß. Den ganzen Tag über hat man schon in der Stadt das Feuerwerk gehört. Im Gegensatz zu den ländlichen Regionen Dänemarks, darf in Kopenhagen Feuerwerk gekauft und angezündet werden. An einigen Orten in der Stadt findet man daher kleine Verkaufszelte auf offenen Plätzen, in denen man ausschließlich Feuerwerk kaufen kann (nirgendwo sonst gibt es welches). So wie wir das erlebt haben, gibt es dabei tatsächlich nur schöne Sachen. Böller und den ganzen anderen Mist, der nur Lärm macht, haben wir nicht mitbekommen. Sehr vorbildlich, liebes Kopenhagen.

Mitternacht in Kopenhagen

Um Halb Zwölf ging es für uns dann mit einer Flasche Rotkäppchen und vier Bechern raus in die kalte Nacht. Es gibt zwei offizielle Feuerwerke der Stadt zu Silvester. Eines im Tivoli und eines vor dem Schloss Amalienburg. Einen guten Blick auf beides und die ganze Stadt bietet die „Inderhavnsbroen“. Eine Brücke die den Nyhavn mit dem Ortsteil Christianshavn verbindet und die nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich ist. Hier braucht man nicht auf Autos zu achten und alle um uns herum waren nur hier um sich das Feuerwerk anzuschauen und anzustoßen. Kaum einer hat Feuerwerk angezündet und so entspannt wie da, stand ich ewig nicht um Mitternacht da um die leuchtenden Spektakel am Himmel zu bestaunen.

Durch das viele Wasser um einen herum hat man einen schönen freien Blick und besonders das Feuerwerk des „Skuespilhuset“, des dänischen Schauspielhauses direkt am Wasser, war ein echtes Spektakel. Einziges Manko: durch den freien Blick war man leider nicht windgeschützt. Clever von den Dänen ist da sich mit einer Art Taucherbrillen zu bewaffnen (kein Witz) und so die Augen vor umherfliegenden Teilchen und Asche zu schützen. Hätte ich auch gebraucht, weil mir tatsächlich kurz vorm Aufbruch noch so ein Teilchen ins Auge geflogen ist. Ja, erst haben wir noch gelacht und dann habe ich bereut, nicht selber so eine Brille zu haben…

In Dänemark ist es übrigens üblich ins neue Jahr zu hüpfen. Haben wir auch mal ausprobiert, mal gucken ob es uns Glück bringt.
Ich hoffe, euer Silvester war auch schön! Ihr könnt mir hier gerne einen Kommentar hinterlassen und berichten. 😉

Alles Liebe,
eure Anni

2 Comments
Julia
18. Januar 2017 um 19:35
Schöne Eindrücke! Kopenhagen steht bei mir noch auch auf der Bucketlist!
    Anni
    18. Januar 2017 um 19:46
    Unbedingt machen! Ist ja von Deutschland auch nicht all zu weit. ;) Weiß nur natürlich nicht wie das mit einem russischen Pass ist...

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