Alles eine Beziehungsfrage

„Ist er beziehungsunfähig? Diese 10 Punkte verraten es dir!“ und „5 Dinge, die du für die wahre Liebe akzeptieren musst“. Überschriften wie diese findet man in Magazinen und auf Blogs wie Sand am Meer. Ja, Beziehungen sind wohl das schwierigste Miteinander, dass es bei uns Menschen gibt. Ja, Tinder und Co tragen nicht gerade zur Stabilisierung monogamer Beziehungen bei. Und ja, wir Frauen sind furchtbare Kopfmenschen und ergreifen jeden Strohhalm, der uns emotionale Sicherheit verspricht.

Dass das schamlos ausgenutzt wird um Geld zu machen ist eigentlich nur natürlich. Nicht umsonst boomen ja auch die Datingplattformen und Apps zur Partnersuche. Warum aber fällt es uns oft in Liebesdingen so schwer auf unser Bauchgefühl zu hören? Warum brauchen wir Persönlichkeitstests und Tipps um unsere Beziehung stabil zu halten? Oder um eben zu erkennen, dass wir gerade mit dem falschen Partner unser Bett teilen?

Expertenlevel? Anfänger!

Dabei gibt es kaum etwas, was man weniger wissenschaftlich oder als außenstehende Person beurteilen kann als die Liebe zwischen zwei Menschen. Jeder in meinem Bekanntenkreis steckt oder steckte bereits in einer mehr oder weniger langfristigen Beziehung. Viele meiner Freundinnen sind tatsächlich schon seit einigen Jahren vergeben. Macht sie das damit zu Beziehungsexperten? Wohl eher nicht. Klar gibt es immer Punkte wo alle sich einig sind: mach dies! Lass das! Aber auch das sollte man nie zu sehr pauschalisieren. Schließlich hat jeder für sich unterschiedliche Vorstellungen, wann eine Beziehung wirklich gut ist. Wie ein schöner Tag aussieht.

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Manche sind froh, wenn sie Sicherheit haben und Vertrauen. Anderen ist es wichtig, nie den Spaß und die Leidenschaft zu verlieren. Und dann gibt es ja auch noch die, mit den „offenen Beziehungen“. Die glauben damit den ultimativen Weg gefunden zu haben, eine glückliche Beziehung zu führen.

 Die Sache ist doch die: führt jemand schon seit Jahrzehnten eine Beziehung mit seiner ersten großen Liebe, dann scheint es ja ganz offensichtlich hervorragend zu funktionieren. Dennoch könnte er anderen in Beziehungfragen kaum Ratschläge erteilen. Er hat ja keinen Vergleich und weiß somit auch gar nicht, was woanders womöglich schlechter läuft, was hier aber von Natur aus prima funktioniert. 
Hat jemand schon einige Beziehung hinter sich gebracht, scheint er im Gegensatz dazu viele Erfahrungen gesammelt zu haben. Nur eben auch nichts „zu Ende gebracht“ zu haben. Expertenlevel? Anfänger!

Keine große Hilfe

Ich persönlich finde Beziehungen sind etwas, was in den meisten Fällen zu 90% nur zwischen zwei Menschen abläuft und es ist daher eigentlich unmöglich von außen zu urteilen, ob es sich um eine „gute“ oder „schlechte“ Beziehung handelt. Das schaffen ja oftmals nicht einmal die, die in der Beziehung drin stecken. 
Klar, jeder von uns hat mindestens einen Freund oder eine Freundin, bei der er nur den Kopf schüttelt und sich fragt, wieso die beiden eigentlich zusammen sind. Aber wir haben nun mal auch keine Ahnung. Und von daher auch kein Recht und keine Möglichkeit hier als „vermeindliche Helfer“ einzuspringen und gut gemeinte Ratschläge zu erteilen. So schwer es manchmal fällt. Und ich rede hier natürlich nicht von Beziehungen, in denen einer gewalttätig wird oder ähnliches. Hier versteht es sich hoffentlich von selbst, dass eingeschritten werden darf und sollte.

Wer die Wahl hat…

Wir haben heutzutage vor allem einfach das Problem, dass immer mehr dem Bann von Tinder und co verfallen. Damit gibt es auch immer weniger Menschen, die gewillt sind eine feste, echte Beziehung einzugehen. Und weil der Konkurrenzdruck durch die enorme Auswahl so groß ist, verfallen wir in noch größere Selbstzweifel und lassen uns verunsichern, ob das, was wir da gerade haben wirklich echt und gut ist. Warum sollte er ausgerechnet mich wollen? Meint er es ernst mit mir? Aber auch: Bin ich vollkommen zufrieden? Erfüllt mich die Beziehung?

Anstatt die Auswahl zu verfluchen, sollten wir uns an ihr erfreuen. Wir haben heutzutage so viele Freiheiten in der Partnerwahl wie noch nie. So viel Toleranz und Möglichkeiten. Natürlich kann man es sich leicht machen und einfach keine Beziehung eingehen. Oder eben Ratgeber wälzen und Frauenmagazine durchblättern um potentielle Partner vorab zu analysieren. Wissenschaftlich erwägen lassen, ob die neue Beziehung eine Zukunft hat. Aber wo bleibt da der Spaß? Wo bleibt das Bauchkribbeln, die Unsicherheit, das Hochgefühl, die Leidenschaft, das Unerwartete, die Chemie?

Romeo und Julia

Wenn ich jemandem einen Beziehungs-Tipp geben müsste, dann wäre es: Verlier dich nicht selbst in der Zweisamkeit! Bleib wer du bist und verstell dich nicht, weil dich das auf Dauer wirklich kaputt macht in einer Partnerschaft! Auch wenn das heißt, dass du zu verrückt bist, zu laut, zu wild, zu chaotisch. Wer die Reise mit dir eingeht, der wird auch das ganz einfach überleben, glaub mir! Keine Beziehung ist ohne Ecken und Kanten, aber erst wenn du erhlich du bist, ist die Beziehung selbst auch ehrlich und kann dich lange glücklich machen.

Egal für was man sich entscheidet. Man sollte sich nie beeinflussen lassen, nur inspirieren. Ein kleiner Blick nach links und rechts ist erlaubt und sogar gesund. So kann man vielleicht auch Dinge entdecken, die einem eigentlich wirklich schmerzlich in der eigenen Beziehung fehlen und die einem vorher noch nicht aufgefallen sind. Wenn wir also das nächste Mal „Zehn Tipps für eine tolle Beziehung“ lesen, sollte wir sie nicht so ernst nehmen. Wir sollten uns das Magazin schnappen und zu unserem Partner aufs Sofa springen. Mit einer guten Portion Selbstironie kann man die zehn Tipps auch als Inspiration für eine schnulzige Theatersession a la Romeo & Julia nehmen. Mal schauen, wie lange ihr dann noch an eurem Glück zweifelt. 😉

Alles Liebe,
eure Anni

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