Italiens Norden – Teil 1: mit dem Zug von Mailand nach Rapallo

Würde ich mir meine Urlaubsziele rein aus kulinarischer Sicht aussuchen, wäre ich vermutlich schon viel früher in Italien gelandet. Pizza, Pasta und Eiscreme begleiten mich seit meiner Kindheit und sind definitiv nicht aus meinem Speiseplan wegzudenken (Low Carb? Im Leben nie!). Aber auch trotz all der anderen Vorzüge, der Kunst, der Architektur und dem Sonnenschein hat es Italien bisher nie in meine Reisepläne geschafft. Es wurde Zeit das zu ändern und somit ging es für mich im Mai das allererste Mal nach Bella Italia.

Schon seit letztem Jahr stand für meinen Freund und mich fest: diese Jahr geht es nach Italien! Er war schließlich schon einmal dort und sehr begeistert. Wir überlegten also an den Gardasee zu fahren und von dort aus Touren zu machen. Vielleicht nach Verona oder Venedig. Und dann kam es irgendwie doch ganz anders als wir dachten.

Ernüchtert von den Preisen und der Auswahl an Hotels rund um den Gardasee streifte ich auf Google Maps durch Norditalien und begann auf Pinterest zu stöbern. Ich recherchierte nach interessanten Orten, markierte mir Punkte auf der Karte, schaute parallel nach Unterkünften und stolperte auf dem Weg über die unheimlich günstigen Zugpreise. Ich verliebte mich in die Küstenbilder Liguriens und legte schnell Mailand als Start und Ziel fest, weil die Flüge von Hamburg aus (Easyjet) wirklich günstig sind und Mailand nicht weit entfernt war. Irgendwann spinnte ich dann weiter und weiter. Ich wollte Florenz sehen und Venedig, wollte möglichst viel Italien aufsaugen und große Städte meiner Bucketlist von Italien erkunden. Und so entstand unser Reiseplan. 15 Tage durch Italien. Mit dem Zug und vier Koffern. 180 Kilometer zu Fuß. Durch 12 malerische Städte.

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Tag 1-3: Mailand

Eigentlich war Mailand nur Mittel zum Zweck und durch den Flughafen idealer Ausgangsort unserer Reise. Mit dem Malpensa Express kommt man für 13 Euro pro Person entspannt in ungefähr 50 Minuten vom Flughafen in die Stadt. Und da man Mailand ja auch mal gesehen haben will, haben wir die ersten Tage unserer Reise damit verbracht die Modemetropole zu erkunden, die mich gleich zu Beginn mit ihrem „Urban Gardening“ wirklich überrascht hat. Ganze Bäume und unzählige Pflanzen zieren hier die Balkone und Dächer und auch manche Straßenabschnitte wirken wie ein kleiner Urwald. Es war wirklich erstaunlich und schön zu sehen, mit welcher Fantasie die Italiener Ihre Balkone begrünen.

Man kam zudem nicht umhin zu bemerken wie modevernarrt die Mailänder sind. Fünf verschiedene Dolce & Gabbana Stores nebeneinander, Luxusboutiqen und perfekt gestylte Italienerinnen ließen einen nicht zweifeln. Hier ist Mode wichtig. Und teuer. In der kurzen Zeit, die wir hatten, konnten wir natürlich nur die Standardsehenswürdigkeiten abklappern. Alles liegt gut zu Fuß erreichbar, man kann aber auch ohne Probleme die Metro nutzen, die hier sehr gut ausgebaut und preiswert ist. Mailänder Dom, Navigli, Castello Sforzesco, Bosco Vertikale, Galleria Vittorio Emanuele II usw. Alles ohne Frage sehr faszinierende Orte und Bauwerke. Aber ich muss auch sagen, dass mich Mailand ein wenig enttäuscht hat. Irgendwie ist es halt doch nur eine Großstadt, die ein wenig überlaufen und einen Tick zu arrogant ist. Ein schöner Auftakt für unsere Reise, aber mehr eben auch nicht.

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Tag 3-6: Rapallo

Am dritten Tag ging es in knapp zweieinhalb Stunden für uns zu einem Spottpreis von 19,80€ für zwei (Sitzplatzwahl inklusive, Grüße an die Deutsche Bahn!) mit dem Zug an die Küste nach Rapallo. Kein riesiger Touristenmagnet, dafür schön gelegen und ein guter Einstieg in die Küstenregion Italiens. Im Nachhinein betrachtet zählt Rapallo auch definitiv zu meinen Lieblingsorten. Die Berge im Hintergrund, die vielen Palmen und Luxusyachten, das kristallklare Wasser und die charmante Burg im Wasser hatten es mir definitiv angetan.

Unser Hotel „Italia e Lido“ lag perfekt am Wasser, direkt vor der Burg und wir mussten vom Bahnhof aus nur wenige Minuten gehen. Der Ausblick aus dem Zimmer war der Wahnsinn. Morgens nach dem Aufstehen die Fensterläden zu öffnen und den Sonnenschein willkommen zu heißen mit einem Blick auf nebelverhangene Berge und das leuchtend blaue Meer, ist für mich absoluter Luxus. Auch wenn das Zimmer klein war und leider keinen Balkon hatte. Ich würde es definitiv weiter empfehlen, denn auch das Frühstück mit Blick aufs Meer war wirklich gut.

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Wenn man gut zu Fuß ist und Lust hat ein wenig Strecke auf sich zu nehmen lohnt sich der etwa dreieinhalb Kilometer lange Spaziergang nach Santa Margherita Ligure, einer weiteren Hafenstadt an der Küste Liguriens. Einige Teile der Strecke können direkt am Wasser auf steinernen Wegen zurückgelegt werden. Hier kann man ab und zu einfach ein Päuschen machen und den schönen Ausblick genießen, den man nicht müde wird zu genießen. Von Santa Margherita Ligure haben wir dann das Boot zurück nach Rapallo genommen. Die Verbindung ist hier tagsüber sehr regelmäßig, unsere Füße waren dankbar für die Pause und seien wir doch mal ehrlich: eine kleine Schiffstour macht doch immer Spaß oder?

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Portofino – viel Lärm um nichts?

Wir haben die gleiche Schifffahrtslinie dann auch genutzt um nach Portofino zu fahren. Das pittoreske ehemalige Fischerdorf ist mir bei Pinterest und co. schon so oft aufgefallen, dass ich mir den Ort auch einmal selber ansehen wollte. Und was soll ich sagen? Es ist wirklich schön dort, aber auch verdammt winzig. So winzig, dass die imposanten Luxusyachten im Hafen dagegen nahezu lächerlich gigantisch wirkten. Natürlich war die Stadt vollgestopft mit Touristen und einfach auch unfassbar teuer im Bereich des Hafens. Ein Glas Wein mit Blick auf die Küste? Gerne, das macht dann 85€. Bitte was? Nein, das haben wir nicht gemacht, die Preise waren ja zum Glück bei den meisten Läden ersichtlich und reichten zur Abschreckung. Die Füße am Steg baumeln lassen, war ja zum Glück kostenlos.

Dafür gab es in Portofino das teuerste Eis unseres Lebens. Schuld war natürlich ich, weil ich unbedingt eine Toilette brauchte und in dem kleinen Eisladen unweit des Hafens eine erspähte. Da ich nicht unhöflich sein wollte, kauften wir auch ein Eis. Ohne Kenntnis über die Preise. Tja, vier Euro eine Kugel. Aber wenigstens war sie lecker und ich erleichtert. Naja.

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Abseits des Hafens

Da Portofino recht überschaubar ist, kann man gut und gerne noch zwei Wege gehen, die etwas anstrengender sind, da sie auch viel bergauf gehen. Zum Einen vom Hafen aus nach rechts hoch an der Kirche vorbei und ein wenig dem roten Teppich folgend. Achja, der rote Teppich. Er führte uns ein ganzes Stück durch Rapallo und auch Portofino und brachte uns zum Rätseln. Tatsächlich musste ich im Nachhinein feststellen, dass dieser Teppich erst seit April diesen Jahres existiert und wirklich den kompletten Weg von der Burg in Rapallo bis nach Portofino führt. Laut meiner Recherche etwa 8,5 Kilometer lang und damit neuer Rekorträger als längster roter Teppich der Welt. Wirklich spannend und eine tolle Idee für die Kennzeichnung der Wanderwege.

Für einen schönen Blick über die Stadt und die anliegenden Küsten lohnt sich auch der Weg zur Kirche S. Giorgio und zum Faro di punta di Portofino, dem Leuchtturm am Ende der Landzunge. Wer gerne vom Castello Brown aus Portofino sehen möchte, der muss aktuell 5 Euro pro Person hinblättern damit man um die Burg herum gehen darf. Wir fanden das ein wenig unverschämt und können sagen, dass die anderen Ausblicke entlang des Weges nach oben und von der Kirche aus, definitiv auch wunderschön, aber dafür kostenlos waren.

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Als nächstes ging es für uns nach La Spezia. Ob sich die Cinque Terre lohnen und wie wir Florenz und Venedig erlebt haben, das lest ihr dann in meinem nächsten Blogpost! Bis dahin freue ich mich über eure Erfahrungen aus Italien und euer Feedback.

Alles Liebe,
eure Anni

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