Italiens Norden – Teil 2: mit dem Zug von Rapallo nach Venedig

Der zweite Teil unserer Reise führte uns von Rapallo nach La Spezia, Florenz und Mailand mit Ausflügen zu den Cinque Terre und dem zauberhaften Venedig. Es ging an der Küste entlang bis in die Toskana und wir haben in den wenigen Tagen so viele schöne Orte gesehen, dass wir erst einmal eine Weile brauchten all diese Eindrücke zu verarbeiten. Welcher Ort sich am meisten lohnt und warum Florenz mich ein klein wenig enttäuscht hat, könnt ihr hier lesen:

Tag 6-11: Küstenstadt La Spezia

Unser nächster und längster Halt war die Küstenstadt La Spezia. Ein großer Marinestützpunkt und perfekter Ausgangspunkt für unsere geplanten Reisen entlang der Küste. Wir haben im zauberhaften B&B Via delle 5 Terre übernachtet, dessen Entfernung zum Bahnhof ich bei der Buchung eindeutig unterschätzte. Mit vier Koffern ging es für uns in der Mittagshitze zur Unterkunft und der Weg an Hauptstraße und abgeschottetem Marine-Hafen entlang ist sicherlich zu Fuß kein Höhepunkt. Doch das Bed and Breakfast ist super modern, die Zimmer schön, der Besitzer unheimlich freundlich. Eine absolute Empfehlung für alle, die mit dem Auto reisen.

Italien La Spezia Italien La Spezia 2

La Spezia selber ist sicherlich eine der unromantischsten Städte Liguriens. Aber auch diese Stadt hat ihren Charme, wenn man ihr erstmal eine Chance gibt. In der Innenstadt säumen hunderte Orangenbäume die Straßen. Es gibt einen riesigen Wochenmarkt mit frischem, günstigem Obst und Gemüse. In La Spezia haben wir außerdem unsere beste und günstigste Pizza gegessen, in der „La Pia Centenaria„. Absolut einfache Einrichtung, aber eine herzliche Bedienung und die Pizette Speck e Mascarpone. Was will man mehr?

Hauptgrund für unseren Aufenthalt in La Spezia war aber definitiv die Lage. Wir wollten die kleineren Küstenorte besuchen und trotzdem günstig übernachten und bequem reisen. Zum Beispiel zu den Cinque Terre.

Die Cinque Terre

Wenn man nach Ligurien sucht, sieht man auf jedem zweiten Bild die bekannten, bunten Häuser der malerischen Orte, welche „Cinque Terre“ genannt werden. Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore liegen an der Steilküste und zählen zusammen mit Portovenere zum Unesco Weltkulturerbe. Man kann sie eigenständig mit dem Auto abfahren, mit dem Schiff oder Zug erkunden oder eine Bustour mit kleinen Reisebussen machen. Für letzteres entschieden wir uns und haben es auch nicht bereut.

Der Bus hielt vor unserer Tür, er war klein und nicht so überfüllt wie die Schiffe. Wir wurden lediglich transportiert, es gab keinen nervigen Animateur. Man konnte einfach nach dem Prinzip von Hop-on-hop-off so lange an einem Ort bleiben wie man wollte und dann den nächsten Bus nehmen. Alle Orte an einem Tag zu besuchen ist allerdings sehr sportlich, da der Fahrplan der Busse zeitlich leider eingeschränkt ist und es doch mehr zu sehen und zu erlaufen gibt, als man anfangs denkt.

Italien Riomaggiore Pic6 Italien Riomaggiore Pic5    Italien Manarola Pic4

Wie es sich für Weltkulturerbestätten und Fotomagnete gehört, sind die Cinque Terre leider völlig überlaufen. Gefühlt im Minutentakt werden neue Ströme von Touristen angekarrt. Nichtsdestotrotz kann man nicht bestreiten, dass die alten, bunten Häuser in und auf den Klippen am Wasser einen unfassbaren Charme verströmen. Jedes auf seine eigene Art und Weise.

Ein magischer Ort am Meer

Würde man mich jedoch fragen, welcher der Orte sich am meisten lohnt, dann wäre dies ohne Frage Portovenere. Auch Weltkulturerbe, nicht ganz so überlaufen und von einem ganz anderen Charme als die Cinque Terre. Man hat einen wundervollen Blick auf die Steilküste gegenüber, einen imposanten Yachthafen und bunte Häuser. Aber das mit Abstand Schönste ist die alte Kirche am südlichen Zipfel der Landspitze. Umgeben von Meer auf der Steilküste gelegen. Dieser Ort und der Ausblick von dort haben definitiv etwas magisches und unfassbar beruhigendes an sich.

Als uns dann auf dem unebenen Weg auch noch Hochzeitsgäste und bald darauf eine wunderschöne Braut entgegen kamen, war ich hin und weg. Mal abgesehen davon, dass ich mich fragte wie die Frauen es um Himmels Willen schafften in ihren High Heels diesen grob gepflasterten Weg hochzustöckeln. Nein, ich war wahnsinnig berührt, dass diese Kirche tatsächlich noch genutzt wurde und dass alle Menschen, Touristen, Gäste, Einheimische, den Weg der Braut mit einem tosenden Applaus begleiteten. Das war wirklich ein wunderschöner Moment.

Italien Portovenere 2 Italien Portovenere 1 Italien Portovenere 3

Besonders mutige können in Portovenere inmitten der Klippen von Felsen aus ins Wasser springen und dort baden. Außerdem gibt es mehrere, leider hoffnungslos überfüllte, aber wenigstens kostenlose Strände in der Nähe. Portovenere erreicht man mit dem Schiff oder dem Bus von La Spezia aus. Wir sind mit dem Schiff hin und mit dem Bus zurück.

Tag 11 – 14: Florenz, die Stadt der Künstler

Auf Florenz hatte ich mich wahnsinnig gefreut. Ich würde mich nicht als besonders kunstverständig beschreiben, aber für die Malerei der Renaissance habe ich eine große Schwäche. Boticellis Werk habe ich im Kunst-LK behandelt und wie ein kleines Kind freute ich mich darauf seine Werke einmal in natura zu bestaunen. Außerdem freute ich mich sehr auf die Architektur der Stadt. Die Bögen, Verzierungen, Säulen und Skulpturen.

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Florenz war also definitiv ein Highlight unserer Reise. Nur leider hat mich Florenz dann nicht so verzaubert, wie es mir gewünscht hatte. Waren wir vorher schon genervt von Touristen und Straßenverkäufern, setzte Florenz dem Ganzen die Krone auf. Es war wirklich unglaublich frustrierend, weil man sich gar nicht auf die Stadt einlassen konnte. Jedes Mal, wenn wir für einen kleinen Augenblick verweilten, wurden wir angequatscht. Und diese Straßenverkäufer waren noch hartnäckiger und aufdringlicher, als alles, was wir davor erlebten. Wirklich schade. Vielleicht kommen wir lieber im Winter mal wieder.

Das B&B, in dem wir übernachtet haben, können wir dagegen in jedem Falle weiter empfehlen. Es war wie eine kleine künstlerische Zeitreise, oben in einem alten Stadthaus gelegen. Die Zimmer haben unterschiedliche Themen mit antiken Möbeln und Kunstwerken. Aber halleluja, es hatte auch die leiseste und beste Klimaanlage und war nur wenige Minuten vom Bahnhof und dem Dom entfernt.

Was man in Florenz (nicht) tun sollte

Wenn ihr den Dom von Florenz und das dazugehörige Museum bei eurem Trip besichtigen wollt, solltet ihr besser vorbereitet sein als wir. Wichtig für die Frauen ist unbedingt die richtige Kleidung. Schultern und Knie sollten bedeckt sein, ansonsten kann euch der Einlass verwehrt werden. Für eine Reise im Sommer ist das definitiv eine wichtige Information. Außerdem sind die Tickets einige Tage im Voraus ausgebucht. Plant ihr nur ein paar Tage Aufenthalt, solltet ihr euch vorab Tickets im Internet besorgen um dann nicht enttäuscht vor den ausgebuchten Ticketschaltern zu stehen. Been there, done that.

Da man in Italien ja leider für wirklich ALLES Geld bezahlen, muss man sich nicht wundern, dass man auch für die Parks der Stadt bezahlen muss um diese zu durchlaufen. Etwa 14€ kostet ein Tageseintritt in die Gärten Boboli und Bardini. Alleine für die Ruhe vor den Touristenströmen und Straßenverkäufern und den atemberaubenden Blick über die Stadt lohnt es sich dieses Geld zu investieren. Wer jedoch für sein Geld schön gepflegte Gärten mit wundervoller Flora und liebevollen Details erwartet, wird enttäuscht. Vor allem wer Planen un Blomen vor der Tür hat, weiß wie wunderschön kostenfreie Gärten aussehen können.

Italien Florenz Pic1

Was mich wirklich geflasht hat, waren die vielen Straßenkünstler der Stadt. Ja, auch hier gibt es Betrüger und Abzocker, aber die erkennt man schnell, denn sie malen nicht. 😉

Ein Tag in Venedig

Von Florenz aus kommt man in etwa zwei Stunden mit dem Zug nach Venedig. Ehemals eine der größten Handelsstädte und heute auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes stand Venedig auch schon ewig auf meiner Bucketlist. Eine Stadt der Liebe, des Wassers und der alten Kunst und Architektur. Ganz mein Geschmack also.

Man kann sagen was man will, Venedig ist und bleibt einfach eine wahnsinnig schöne Stadt. Aber die Touristenströme sind auch hier schrecklich und die Schlangen an den Sehenswürdigkeiten so lang wie die Preise der Restaurants an den Hauptattraktionen hoch. Ich hoffe, dass sie bald durchsetzen, dass die Kreuzfahrtschiffe nicht mehr anlegen dürfen. Sie zerstören das Stadtbild wirklich sehr. Aber auch im Mai, kann man Vendig ganz für sich haben, wenn man mag. Ich empfehle unbedingt sich so richtig in den Gassen zu verlaufen. Macht euch keine Gedanken, dass ihr nicht wieder zurückfindet, dank einiger großer Fixpunkte und dem Canale Grande findet man immer wieder schnell die Richtung. Google Maps steht einem ja zur Not auch noch bei.

Italien Rundreise Venedig Pic3 Italien Rundreise Venedig Pic2 Italien Rundreise Venedig Pic4 Italien Rundreise Venedig Pic1

Der Eintritt in den Markusturm lohnt sich in jedem Falle, da man meist nicht lange warten muss und der Blick von oben definitiv den Preis wert. Ansonsten können wir zu den Sehenswürdigkeiten nicht viel sagen, da uns in den anderen Fällen der Blick von außen genügte. Wenn ihr ein gutes Eis essen wollt, empfehle ich das „La Mela Verde„. Es liegt nur ein paar Minuten Fußmarsch vom Markusplatz entfernt, umgeben von vielen schönen Brücken und was das wichtigste ist, das Preis-Leistungsverhältnis stimmt hier sowas von. Wahnsinnig leckeres Eis!

Zwei Tipps habe ich noch, die quasi zur Pflicht eines jeden Venedig-Reiseführers gehören. Nummer 1: geht auf gar keinen Fall am Markusplatz etwas essen! Die Restaurants sind hier völlig überteuert und wenn ein Konzert gespielt wird, zahlt man nochmal oben drauf. Nur für die Musik. Ob ihr wollt oder nicht. Nummer 2: überlegt euch gut, ob ihr eine Gondelfahrt machen wollt. Die Preise sind recht schwammig und wenn man Pech hat, hat man ein ganz schwarzes Schaf erwischt und wird über den Tisch gezogen. Die Fahrten sind zudem eine ziemliche Massenabfertigung und man muss für sich einen guten Ausgangspunkt finden, damit die 30 Minuten auch sinnvoll investiert sind.

Italien Rundreise Venedig Pic5

Schön war’s

Von Florenz aus sind wir wieder nach Mailand gefahren und haben dort noch einen Tag und eine Nacht verbracht ehe wir wieder zurückgeflogen sind. Wir waren zu dem Zeitpunkt aber dann so alle vom vielen Gelaufe und Gereise, dass wir ab dem Nachmittag das Hotelzimmer einfach nicht mehr verlassen haben. Rückblickend hätte ich mir definitiv mehr Entspannung gewünscht, aber dennoch möchte ich keinen Programmpunkt wirklich missen. Die Italienreise war unheimlich schön und ich bin dankbar so viele tolle Orte gesehen zu haben. Landschaftlich und architektonisch ist Italien auf jeden Fall eine Reise wert. Es ist nur verdammt teuer und überfüllt. Nächstes Mal wird es dann wohl lieber ein eigenes Apartment an einem abgelegeneren Ort.

Ich hoffe, ihr könnt mit den Tipps etwas anfangen und ich kann ein wenig helfen und inspirieren. Wenn ihr Fragen oder Anregungen habt, wie immer gerne in die Kommentare schreiben. Ich freue mich auf euer Feedback.

Alles Liebe,
eure Anni

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