Novemberglück – Vom (Vor)lesen und Zuhören

Die Tage werden wieder dunkler, kälter und kürzer und bevor wir jetzt alle wieder unisono anfangen zu jammern, dass der Herbst wieder viel zu schnell da war (mimimi, der Sommer war aber dieses Jahr auch viel zu kurz, mimimi), sollten wir ihn vielleicht einfach mal annehmen und seine Vorzüge sehen. Möglicherweise hat der eine oder andere es noch nicht gemerkt, aber dieses Ding mit den Jahreszeiten spielt sich jedes Jahr von neuem ab, ob wir nun wollen oder nicht. Also Kopf hoch und das Beste daraus machen.

Ich nutze nun also die kalte Jahreszeit um in andere Welten und Geschichten zu entfliehen und es mir so richtig muckelig zu machen. Dass ich eine Schwäche für gute Bücher habe, wisst ihr ja bereits. Dass ich das Vorlesen oder ein gutes Hörbuch ebenso genieße, weiß der eine oder andere von euch vermutlich noch nicht. Für die bevorstehende Winterzeit habe ich daher fünf Tipps für euch, die euch die kalte Jahreszeit literarisch ein wenig versüßen.

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1. Bücher kaufen und Gutes tun

Bücher sind für mich etwas Kostbares und Schönes. Ich hatte daher lange Zeit Schwierigkeiten mich von ihnen zu trennen und habe alle Bücher zuhause wie kleine Schätze gehütet. In meiner Vorstellung hatte ich irgendwann ein Zimmer mit einer Wand voller Bücher, einem gemütlichen Ohrensessel (check) und einem Kamin. Ein Buch aus dem Besitz zu geben, kam somit nicht in Frage, da ich ja sonst meine Bücherwand gar nicht füllen konnte.

Solange einem aber der entsprechende Platz noch fehlt, kommt man zwangsläufig irgendwann in die Situation ausmisten zu MÜSSEN, schlicht weil es allmählich kein freies Regalfach mehr gibt. Außerdem gefällt mir der Gedanke, meine Bücher könnten auch andere Menschen noch beim Lesen glücklich machen. Ich selber habe schließlich auch schon immer gerne mal gebrauchte Bücher gekauft. Alleine aus Kostengründen.

Man kann mit Büchern sogar noch mehr Gutes tun. Meine größte und schönste Ausbeute an Büchern habe ich z.B. in diesem Jahr beim Bücherbasar der Kulturkirche in Altona gemacht. Gespendete Bücher werden dort zu einem super günstigen Preis verkauft und alle Einnahmen gehen an einen guten Zweck. Die Bücher machen damit nicht nur ihre Leser glücklich, sondern helfen auch Menschen. Eine tolle Idee! Und weil ich davon so angefixt war, habe ich auch noch einen großen Teil meiner alten Bücher, die bei Flohmärkten kaum weg gehen, an die „Aktion Buch“ gespendet. Zum ersten Mal konnte ich mich von Büchern mit einem richtig positiven Gefühl trennen. Ich dachte nicht nur an den neu gewonnenen Platz, sondern vor allem an all die Menschen, die ich damit glücklich machen konnte.

2. Vorlesen ist nicht nur was für Kinder…

Als es mir im Urlaub vor einiger Zeit richtig schlecht ging und ich nicht einmal mehr die Kraft besaß aus dem Bett aufzustehen, fing mein Freund spontan an mir aus seinem Buch vorzulesen. Er nahm mich einfach nur in seinen Arm und las mir die Geschichte vor. Erst war es nur als Witz gemeint, aber schnell merkten wir beide, dass es irgendwie schön war. Seine Idee hat mich wahnsinnig berührt und in die Geborgenheit der Kindheit zurückgebracht.

Wir alle haben als Kinder von unseren Eltern viele Geschichten vorgelesen bekommen. Vor allem zum Einschlafen war es ein tolles Ritual. Ist man dann aber im Erwachsenenalter, ist Vorlesen kein Thema mehr. Im Gegenteil, man wird schief angeguckt, wenn man anderen davon erzählt, dass man seinem Partner gerne auch mal Bücher vorliest. Eigentlich schade. Schließlich ist es ja auch „in“ Hörspiele und -bücher zu hören. Von „Bibi Blocksberg“ bis „Die drei ???“.

Wir sind mittlerweile schon beim zweiten Buch und haben den Vorleser-Zuhörer-Part einmal gewechselt. Ihr könnt davon halten, was ihr wollt, aber ich persönlich finde es zwischendurch richtig schön. Man erlebt gleichzeitig dasselbe Buch, kann sich direkt darüber austauschen, gemeinsam lachen oder rätseln und glaubt mir, das mit der einschläfernden Wirkung klappt immer noch sehr gut.

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3. Empfehlenswerte Hörbücher

Wenn gerade keiner zum Vorlesen da ist oder man in Bahn oder Bus unterwegs ist, bietet sich das gute alte Hörbuch an. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Musik-Streamingdiensten, die sich auf Hörbücher spezialisiert haben oder sie zumindest in ihrem Repertoire haben. Da ich Spotify auch sonst viel nutze, höre ich darüber auch die meisten meiner Hörbücher. Um dabei einen besseren Überblick zu haben, empfehle ich euch die App „Spooks“. Sie bietet euch eine tolle Übersicht über alle Hörbücher, die man in Spotify so finden kann. Die sind ansonsten nicht so richtig leicht zu entdecken.

Wer auf Spannung steht, dem empfehle ich aktuell das Hörbuch zum Thriller „Noah“ von Sebastian Fitzek. Gelesen wird es von Simon Jäger, einem meiner liebsten Vorleser, weil er eine so angenehm beruhigende Stimme hat. Ich habe das Buch damals verschlungen und bin ein großer Fitzek-Fan. Es geht um einen Mann, der auf der Straße lebt und den alle nur Noah nennen, weil ihm dieser Name auf seiner Hand tattoowiert ist. Er kann sich nicht mehr an seine Vergangenheit erinnern oder wie er auf die Straße gekommen ist. Als er sich auf die Suche nach seiner Herkunft macht, wird schnell klar, dass es um mehr geht als um sein eigenes Schicksal. Es geht um die ganze Menschheit.

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Wer sich von seichter Unterhaltung berieseln lassen möchte, dem kann ich z.B. das Hörbuch „Die Braut sagt leider nein“ von Kerstin Gier ans Herz legen. Ein vorhersehbarer, aber unterhaltsamer Frauenroman, der von Irina von Bentheim (die Stimme von Carrie Bradshaw, Mädels!) gelesen wird. Super zum nebenbei hören, bei Routineaufgaben oder beim Kochen. Generell gilt bei Hörbüchern bei mir, auch die Stimme ist entscheidend! Ich habe schon einige Hörbücher nach zwei Minuten beendet, einfach weil ich den Vorleser nicht gut fand. Ihr kennt das vielleicht auch, manche Menschen hört man einfach nicht gerne reden… Deshalb immer erst kurz reinhören, wenn man sich ein Hörbuch kaufen möchte.

4. Meine Liebe zu Fantasy-Büchern

Ich muss ja sagen, dass ich eigentlich sehr vieles lese. Von nervenaufreibenden Thrillern, bis hin zu kitschigen Liebeskomödien. Nur mit historischen Romanen kann man mich in der Regel jagen. Meine Beziehung zum Fantasy-Genre war dagegen nicht erst seit Harry Potter besonders ausgeprägt. Ich liebe es einfach in komplett neue, kreative Welten einzutauchen. Manchmal habe ich das Bedürfnis der Realität möglichst weit zu entfliehen und womit geht das schon besser als mit einem fantasievollen Schmöker?

Mein absoluter König seit jeher ist dabei definitiv Walter Moers. Er erschafft auf abgedrehte, humorvolle Weise eine komplett neue Welt und ist als Schöpfer des Käptn Blaubär auch quasi der Held meiner Kindheit. Ich bin ja eh ein Fan von Büchern, die schön aussehen und das tolle an den Exemplaren von Walter Moers sind auch die liebevollen, deatilreichen Zeichnungen des Autoren. Seine Bücher spielen in der Welt Zamoniens und sprühen von so viel Fantasie, dass man alle Sorgen der Realität ganz schnell vergisst. Wer es ein wenig humorvoll, verrückt und abgedreht mag, der ist hier gut bedient.

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Wer „Die Tribute von Panem“ gelesen hat (Filme gucken zählt nicht), dem empfehle ich die Red Rising Trilogie. Drei Bücher um den jungen Darrow, der in einer Zukunftsvision lebt, in der die verschiedenen Planeten unseres Sonnensystems bewohnt werden. Mehr möchte ich euch auch gar nicht verraten, um nichts vorweg zu nehmen. Nur so viel: es lohnt sich! Lange nicht mehr so spannende Romane gelesen mit für mich persönlich sehr klug erdachten Zukunftsszenarien.

5. Ein Buchclub um zu lesen

Am Thema Nachhaltigkeit kommt man heutzutage nicht mehr vorbei und das finde ich auch gut so! Wenn man wie ich aber auch noch ein Liebhaber der guten, alten gedruckten Exemplare ist, dann sollte man sich seine Bücher bewusst auswählen und vor allem auch über das Tauschen und Leihen nachdenken. Man muss ja nicht immer alles besitzen. Wenn wir mal ehrlich sind, liegen die meisten Bücher nach dem Kauf und dem ersten Lesen doch eh nur bei uns im Regal.

Vor einiger Zeit habe ich mit meiner Cousine einen Buchclub gegründet und ich liebe ihn sehr. Ich weiß nicht mehr wann genau mir die Idee kam, aber als ich meiner Cousine davon erzählte, war sie direkt Feuer und Flamme. Wir sind mittlerweile zehn Leute aus unterschiedlichen Bereichen und treffen uns einmal im Monat in einem Café. Dann quatschen wir viel über Bücher und alles mögliche und tauschen zum Abschluss untereinander Bücher aus. Im Schnitt sind wir dabei nur zu viert, was das Ganze gemütlich und übersichtlich macht und durch die neuen Konstellationen an Leuten auch immer spannend.

Vor jedem Treffen legen wir ein Thema fest und wählen dazu ein Buch aus, welches wir dann mitbringen um es gegen ein anderes Buch zu tauschen. Beim darauffolgenden Treffen kann man sich dann kurz austauschen wie einem das Buch, das der andere empfohlen hat, gefallen hat. Man lernt neue tolle Leute und Cafés kennen und vor allem liest man so plötzlich Bücher, die man ansonsten vielleicht nie in die Hand genommen hätte. Durch das Ziel das Buch in einem Monat wieder zurückzugeben, kommt man zudem wieder dazu mehr zu lesen.

Zum Abschluss noch eines

Zu Guter Letzt möchte ich euch noch eine Bitte ans Herz legen. Wenn  ihr euch dann doch auch mal ein neues Buch kaufen wollt oder eines verschenkt, denkt an die Buchhandlungen bei euch um die Ecke! Sie sterben immer mehr aus, weil Riesenkonzerne wie Amazon oder Thalia aus Bequemheit vorgezogen werden. Dabei gibt es doch nichts Schöneres, als im Buchhandel zu stöbern. Ich liebe den Geruch und die Ruhe und das tolle Gefühl von diesen unzähligen Geschichten umgeben zu werden. Und wenn ihr mal keine Idee habt, wofür ihr euch entscheiden sollt, helfen euch die Mitarbeiter vor Ort immer gerne.

Ich habe mir vorgenommen kein Buch mehr im Internet zu bestellen. Machst du mit? Ich freue mich auch auf eure Tipps zu tollen Büchern oder Hörbüchern und es würde mich interessieren, was ihr vom Vorlesen haltet!

Alles Liebe,
eure Anni

 

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