52 Kuchen in 52 Wochen – mein Fazit

Ich gebe zu, ich bin fast ein wenig melancholisch geworden, als ich ein letztes Mal die Küchenmaschine angeschmissen habe. Als ich bewusst darüber nachdachte, dass ich hier den letzten meiner 52 Kuchen backen werde. Dass es das wirklich war. Das Jahr, in dem ich jede Woche einen neuen Kuchen gebacken habe. Mein Jahr mit 52 Kuchen in 52 Wochen.

Ich habe sie wirklich durchgezogen und geschafft. Meine ganz persönliche Challenge. Vermutlich um die 30 Packungen Mehl und mehr als 13 Kilogramm Butter habe ich verbacken. Ja, was die Butter angeht, hätte ich mir im Nachhinein betrachtet ein anderes Jahr aussuchen sollen… Bei den Preisen… Achja, einen Gewinner gab es natürlich auch, die Kollegen haben ja schließlich fleißig gestempelt und den Sieger auserkoren. Aber dazu später mehr.

52 Kuchen in 52 Wochen Fazit

Jetzt habe ich ein Auge für Butter

Ich war schon immer eine Niete im Größen und Gewichte schätzen. Schon immer. Hätte man mir in der Schulzeit erzählt, mein Schulweg betrüge 20 km, hätte ich „aha“ gesagt und es akzeptiert (zur Erklärung, es sind nicht einmal 2 km!). Bevor ich mit dem Laufen angefangen habe, hatte ich kein Gefühl dafür was ein Kilometer ist. Und in der Küche ist es dasselbe Spiel. Wieviel sind wohl 100g Zucker? Reicht der Rest Milch in der Packung noch fürs Frühstück? Ohne Waage und Meßbecher für mich unlösbare Aufgaben. Dank der Kuchenchallenge habe ich da mittlerweile weniger Schwierigkeiten. Ich bin so routiniert im Abwiegen geworden, dass ich Butter nach Augenmaß sehr gut portionieren kann und weiß wieviel Mehl mir noch fehlt um die 350g zu erreichen. Das ist wirklich praktisch und auch wenn ich noch lange kein Profi bin, für meine Verhältnisse ist die Steigerung fantastisch!

Wenn man so viele unterschiedliche Kuchen und Torten zubereitet, bekommt man auch ein gutes Gefühl für die verschiedenen Mischverhältnisse. Man weiß wie die Konsistenz eines perfekten Rührkuchenteiges sein sollte und wann ein Brownie genau richtig ist (außen leichte Risse, innen nass, aber nicht zu flüssig). Perfekten Schokoladenteig macht man am besten mit vorab geschmolzenem Gemisch aus Butter und Zartbitterschokolade. Den schönsten Zuckerguss aus geschlagenem Eiweiß und viel, viel Puderzucker.

Es war aber nicht immer alles rosa Zuckerguss

Es gab einen Punkt im Jahr, da wurde mir etwas bewusst. Etwas hatte sich geändert. Irgendwann war es nicht mehr meine Challenge. Meine persönliche, eigene. Ich habe nicht mehr das gebacken, worauf ich Lust hatte und wann ich Lust hatte. Ich habe für die anderen gebacken. Und nach deren Wünschen.

Dass ich den Kuchen mit in die Firma nahm und verteilte war am Anfang nur ein positiver Nebeneffekt. Ich habe viel gebacken und konnte das zuhause natürlich nicht alles aufessen. Also begann ich meinen Kuchen mitzubringen. Die Kollegen freuten sich, ich freute mich über das Feedback und die glücklichen Gesichter. Aber wie es oft so ist, reicht man den kleinen Finger, nimmt sich dein Gegenüber die ganze Hand. Das war oft sicherlich nicht böse oder ernst gemeint, aber da ich ein Mensch bin, der gerne anderen eine Freude bereitet und nicht gerne enttäuscht, nahm ich mir vieles zu Herzen.

Ich fing an so zu planen, dass möglichst viele Leute da waren, um den Kuchen essen zu können. Ich musste mich entschuldigen, wenn montags noch kein Kuchen kam. Wenn ich am Wochenende schon Stücke vernichtet oder meinem Freund mitgegeben habe, wurde ich gefragt, was denn da passiert sei. Ob dass jetzt hoffentlich nicht noch mehr werden würde. Als mein Jahr zuende ging, wurde ich mehrfach darum gebeten doch bitte weiter zu machen. Schließlich hatte man sich doch so an meinen Kuchen gewöhnt. Daraufhin antwortete ich stets: „Ich höre ja nicht auf zu backen. Dafür macht es mir nach wie vor viel zu viel Spaß.“

Aber ab jetzt gehört das Backen endlich wieder mir. Ich entscheide, was ich mache, wann und wieviel davon. Ich habe in den letzten Wochen des letzen Jahres gelernt mich da weniger beeinflussen zu lassen. Habe mir gegen Ende der Challenge das Backen wieder zurück erkämpft und wieder einiges über mich selber gelernt. Zum Beispiel, dass ich endlich mal aufhören muss alles ernst zu nehmen und immer allen alles Recht zu machen. Kuchen lässt also auch die Persönlichkeit wachsen. Wer hätte das gedacht?

Der Sieger der Herzen

Alkohol ist keine Lösung. Aber dennoch der Gewinner der Backchallenge. Ich hatte ja eigentlich mit einem Käsekuchen auf Platz 1 gerechnet, aber der hat es nur auf den zweiten Platz geschafft. Unangefochtener Sieger sind die irischen „Guiness Brownies“ geworden, aus dem Buch „Bake & the city“ von Tobias Müller. Außen zart knusprig, innen saftig und intensiv schokoladig, getoppt von einer salzigen Karamellsoße… Na Hunger? Mist, ich auch! Ich glaub, ich muss mir mal überlegen, was ich als nächstes backe… Ich habe ja auch bald Geburtstag, ein guter Grund für einen Kuchen. Wobei, wer braucht schon einen Grund für Kuchen?

52 Kuchen in 52 Wochen Fazit

An dieser Stelle noch ein Dank an alle, die mir immer wieder tolles Feedback gegeben und mich unterstützt und mir Rezepte geschickt haben. Danke an den tollsten Herzensmann der Welt, der mein Schlachtfeld nach dem Backen immer fleißig beseitigt hat (es gab auch immer Kuchenteig zum Dank)!
Und zu guter Letzt ein großer Dank an meine Kollegen! Die mir zweimal Präsente überreicht haben zum Dank für meine Kuchen. Die sich unzählige Male auch persönlich bedankt haben und die ich hier bestimmt nicht als gemein und gierig darstellen wollte. Ich hoffe, ihr habt das nicht so aufgefasst und wisst, was ich sagen wollte. Und keine Sorge, der nächste Kuchen kommt bestimmt. Jetzt habe ich ja Zeit mal selber zu kreieren…

Alles Liebe,
eure Anni

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